Während ein Teil der Unternehmen Nachhaltigkeit strategischer denn je nutzt, steigen andere aus. Zwei Berater über den Split in der Wirtschaft – und über die Bedeutung von KI-Tools für das Green Controlling. 

 

Britta Seidl-Bowe und Marvin Sobottka sind Nachhaltigkeitsexpert*innen bei der Allfoye Managementberatung GmbH. Sie haben Konica Minolta bei der Erstellung der Wesentlichkeitsanalyse unterstützt, also der Identifizierung der wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen im Unternehmen. Für diesen Blogbeitrag haben wir uns noch einmal zusammengesetzt und über aktuelle Nachhaltigkeitstrends gesprochen. 

 

In den vergangenen zwei Jahrzehnten schien der Trend in Richtung Nachhaltigkeit unaufhaltsam. Ändert sich das gerade? 

Britta Seidl-Bowe: Es driftet aktuell total auseinander. Auf der einen Seite sehen viele Unternehmen, dass die Zeit der Stapelkrisen ein neues Resilienz-Verständnis erfordert. Resilient ist, wer Geschäftsmodelle absichert und weiterentwickelt. Extremwetterereignisse sind das größte langfristige Risiko für Unternehmen weltweit, gleichzeitig können zirkuläre Geschäftsmodelle die Profitabilität erhöhen. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die Nachhaltigkeit schon immer nur aus Compliance-Gründen gemacht haben. Die sind jetzt raus, nachdem die regulatorische Peitsche weggebrochen ist – ob bei der EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung CSRD, den europäischen Berichtsstandards ESRS oder der Lieferketten-Richtlinie. Diese Unternehmen ignorieren mit „Eyes Wide Shut" die Zeichen der Zeit.  

Britta Seidl-Bowe bei einer Präsentation in einem modernen Besprechungsraum, im Gespräch mit zwei Zuhörenden.
Britta Seidl-Bowe

Senior Director & Teamlead Nachhaltigkeit  bei der Allfoye Managementberatung GmbH

„Viele Unternehmen sehen, dass die Zeit der Stapelkrisen ein neues Resilienz-Verständnis erfordert. Hier bekommt Nachhaltigkeit eine strategische Funktion. Resilient ist, wer Geschäftsmodelle absichert und weiterentwickelt.“ 

Wie ändert sich dadurch die Rolle der Nachhaltigkeitsbeauftragten? 

Britta Seidl-Bowe: In den Unternehmen, die langfristig denken, bekommt Nachhaltigkeit eine strategische Funktion. Nachhaltigkeitsmanager agieren als Ansprechpersonen für das C-Level, zeigen Risiken auf und sagen: Hey, lasst uns mal die Überflutungsrisiken unserer Standorte ansehen. Oder: Lasst uns überlegen, wie wir zirkulärer werden. Wie wir uns auf höhere CO2-Preise vorbereiten. Wie wir in der Energieversorgung unabhängiger werden. 

Marvin Sobottka: Diese Entwicklung wird durch die geopolitische Lage angetrieben. Es gibt einen größeren Fokus auf Resilienz, etwa auf belastbare Lieferketten. Die Frage lautet: Welche Themen müssen wir in den Griff kriegen, damit es uns auch 2035, 2040 noch gibt? Außerdem betrachten viele Unternehmen durch das Nachlassen des regulatorischen Drucks Nachhaltigkeitsthemen stärker durch die finanzielle Brille. Was kein Widerspruch zu einer langfristigen ESG-Strategie sein muss.  

 

Warum lassen dennoch einige Unternehmen die Zügel schleifen? 

Britta Seidl-Bowe: Laut Studien weiß so gut wie jeder CEO, dass Nachhaltigkeit wichtig ist. Das Problem ist die Ambidextrie, also die Notwendigkeit, zwei unterschiedliche Ziele gleichzeitig zu verfolgen: einerseits das Tagesgeschäft am Laufen zu halten, andererseits Neues zu entwickeln. Wenn ich mich auf das konzentriere, was heute notwendig ist, gerät die Zukunft leicht aus dem Blick. Manche kennen das vielleicht von sich selbst: Ich weiß, ich sollte eigentlich abnehmen, aber am Abend sag ich zur Tafel Schokolade doch nicht Nein.  

Marvin Sobottka: Daher sprechen wir nicht mehr von der Twin Transformation, also Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Sondern von einer notwendigen Triple Transformation, bei der die Organisationsentwicklung dazukommt. Eine Kultur, in der unter Beteiligung der Mitarbeitenden getan wird, was für die Zukunft notwendig ist. 

Marvin Sobottka lächelt freundlich in einer Büroumgebung; er trägt eine Brille, einen weinroten Strickpullover und ein gestreiftes Hemd.
Marvin Sobottka

Consultant & Psychologe bei der Allfoye Managementberatung GmbH 

„Wenn Vorgaben so komplex sind, dass man sie nicht mehr ohne Hilfe von Beratern versteht, dann verlieren sie ihre Steuerungsfunktion.“

Nachhaltigkeitsvorgaben werden zuweilen als „Bürokratiemonster“ verunglimpft. Ist da was dran? 

Marvin Sobottka: Nehmen wir ein Beispiel: Die Wesentlichkeitsanalyse ist ein extrem intelligentes Werkzeug. Sie hilft Unternehmen, das komplexe Thema der Nachhaltigkeit zu strukturieren und einzelne Aspekte verständlich und vor allem umsetzbar zu machen. Trotzdem sind die Vorgaben ein ganz schön dickes Buch und ab einem gewissen Punkt nicht sehr anwenderfreundlich. Wenn Vorgaben so komplex sind, dass man sie nicht mehr ohne Hilfe von Beratern versteht, dann verlieren sie ihre Steuerungsfunktion. Ja, man könnte manche – sinnvolle – Regelungen auch niederschwelliger formulieren. 

Britta Seidl-Bowe: Man müsste viel mehr das „What’s in it for me“ kommunizieren. Was habe ich als Unternehmen davon, wenn ich einen Nachhaltigkeitsbericht erstelle? Oft haben Nachhaltigkeitsmanager damit zu kämpfen, dass im Unternehmen niemand so richtig Lust auf die Maßnahmen hat, weil sie den Sinn dahinter nicht verstehen. 

 

Welche Nachhaltigkeitsthemen stehen bei deutschen und österreichischen KMU derzeit ganz oben auf der Agenda? 

Britta Seidl-Bowe: Viele arbeiten gerade daran, ihre Lieferketten resilienter zu machen. Auch Klimarisikoanalysen sind aktuell ein sehr wichtiges Thema. Viele wollen sich zirkulärer aufstellen, weil Kreislaufwirtschaft auch ein Mittel gegen Ressourcenknappheit ist. Auch Green Controlling steht hoch im Kurs, also die Integration von ökologischen und sozialen Daten ins klassische Controlling, etwa durch die Hinterlegung entsprechender Datenfelder im ERP-System. 

 

Welche Themen verlieren an Bedeutung? 

Britta Seidl-Bowe:  Ein sehr wichtiges Thema ist völlig vom Tisch. Ich höre kaum noch jemanden, der sich mit Biodiversität beschäftigt. Eigentlich waren wir uns mal alle einig: Das ist das nächste große Ding. Die Biodiversitätsexpertin Dr. Frauke Fischer formulierte es einst wie folgt: „Klimawandel ist die Frage, wie wir leben, Biodiversität ist die Frage, ob wir leben.“  

„Gutes ESG-Monitoring benötigt die richtigen Tools“ 

Daniela Rak, Head of ESG Deutschland & Österreich, hat bei Konica Minolta ein Energiemanagementsystem eingeführt. Ihre Erkenntnis aus dem Zertifizierungsprozess: „Ein gutes Monitoring funktioniert nur mit den richtigen Tools. Wir möchten möglichst viel automatisieren und auf einen Blick sehen, wie sich die CO2-Emissionen pro Standort im Zeitverlauf entwickeln.“ Dabei hilft Künstliche Intelligenz wie im Tool ESG AI, das Konica Minolta selbst entwickelt hat. 

Stichwort Green Controlling: Nachhaltigkeit wird immer mehr zu einem Daten- und IT-Thema. Mit welchen Tools sollen KMU diese Herausforderung angehen? Was ändert sich durch KI? 

Britta Seidl-Bowe: Es gibt nicht die eine Lösung, die für alle passt. Ich kann nicht einfach ein Tool anstecken und dann fließen alle Daten automatisch ins System. Sondern ich muss dafür sorgen, dass alle Daten, die ich benötige, von den Kolleg*innen auch bereitgestellt werden. Dafür muss ich tief in die Prozesse hineingehen – das Tool folgt dem Prozess. Und damit die Prozesse funktionieren, benötige ich Sensemaking. Die Kolleg*innen müssen den Sinn dahinter verstehen, warum die Daten überhaupt benötigt werden. Manche setzen dafür auf Workshop-Methoden wie World Café, um Wissen interaktiv zu verbreiten. 

Marvin Sobottka: Ich kenne keinen Mittelständler, der von sich behauptet, sie hätten die perfekten Prozesse! Nein, da sind über Jahre gewachsene Strukturen, verschiedene Systeme, die parallel laufen, oft als Resultat von Unternehmenskäufen oder -fusionen. Diese müssen integriert und aufgearbeitet werden, denn KI braucht eine valide, strukturierte Datengrundlage. Aber dann können KI-Tools beeindruckende Ergebnisse liefern und die Arbeit enorm erleichtern. Eine gute Anforderungserhebung bei der Tool-Auswahl – im Schulterschluss zwischen IT- und Nachhaltigkeitsteam – kann so manche böse Überraschung vermeiden.  

 

Wo seht ihr bei Konica Minolta noch Verbesserungspotenzial in Sachen Nachhaltigkeit? 

Marvin Sobottka: Ich finde das Nachhaltigkeitsmanagement ist gut aufgestellt. Potenzial für Verbesserungen, und das gilt eigentlich für fast alle deutschen oder österreichischen KMU, sehe ich beim Thema Lieferketten. KMU haben oft sehr gute und langjährige Beziehungen zu ihren Lieferanten. Häufig ist die erste Reaktion bei der Betrachtung der Wertschöpfungskette jedoch, dass man auf die wirklichen Ursachen keinen Einfluss habe. Diese Haltung schützt vor Mehraufwand, dabei duckt man sich jedoch vor unternehmerischer Verantwortung. Ich bin überzeugt: Wenn wir diese guten Beziehungen intensiver nutzen, um in einen Dialog mit den Lieferanten zu treten und sie zu ermutigen, das eine oder andere Nachhaltigkeitsthema zusätzlich anzugehen, lässt sich viel bewegen. Die mittelständischen Unternehmen könnten sich zu diesem Zweck zudem zusammenschließen, Kooperationen stärken und so noch mehr Einfluss ausüben – das machen sie bei anderen Anliegen, beispielsweise innerhalb von Branchenverbänden, schließlich auch.  

 

Mehr über Nachhaltigkeit als Innovationstreiber und die Allfoye Managementberatung erfahren Sie hier 

Refurbished-Bürodrucker: Günstig in die Kreislaufwirtschaft 

Reduzieren Sie den CO2-Fußabdruck Ihres Unternehmens und sparen Sie dabei Geld: mit den generalüberholten, gebrauchten Drucksystemen von Konica Minolta. Gleiche Leistung & gleiche Funktionen wie Neugeräte, garantiert zuverlässig.

bizhub refreshed
Teilen:

Bewerten Sie diesen Beitrag